Ein kleines Outing

Hallo ihr Lieben,

wieder einmal hatte ich ein kleines Outing. Im letzten Bericht hatte ich schon von den roten Gelnägeln geschrieben die Lulu mir gemacht hat. Als ich dann wieder in mein normales Leben zurück musste stand ich vor der Wahl das Rot zu behalten oder wieder langweiliges Nude drüber zu Pinseln.  Mit dem Hintergedanken das es inzwischen vermutlich jeder gemerkt hat das ich mir die Nägel regelmäßig machen lasse habe ich es dann gewagt und sie rot belassen.

Mann mit roten Gelnägeln

Ihr merkt schon meine Meinung hat sich da etwas geändert, vor ein paar Monaten schrieb ich noch in einem Artikel wie Mann sich die Nägel lackieren kann und damit nicht auffällt und heute ist es mir relativ egal was andere denken.

Etwas Bauchschmerzen hatte ich dann aber doch als ich den ersten Tag wieder ins Büro musste. Ich arbeite in einem kleinen Team aus ungefähr zehn Männern und einer Frau. Mit ihr teile ich auch das Büro.  Natürlich haben alle schon vorher meine gemachten Nägel gesehen und natürlich auch jetzt die Farbigen. Aber niemand hat mich daraufhin angesprochen, es wurde ein- bis zweimal öfters hingesehen aber sonst passierte nichts.
Ich war dann einige Tage unterwegs und als ich wieder im Büro war sprach meine Kollegin mich an. „Schicke Nägel, tolle Farbe, sind die aufgeklebt oder was ist das“. Das war dann der Anfang von einem Gespräch über Gelnägel, natürlich speziell über meine Gelnägel. Ich klärte sie auf wie es mit der Naturnagelverstärkung angefangen hat, mit den Nude Farbenen weiterging und das ich mich jetzt entschlossen hatte auch „richtige“ Farbe zu probieren.  Wir redeten noch lange weiter und im Verlauf erwähnte ich:  „Du hast ja sicher gemerkt in welche Richtung es geht! Da reden wir dann mal in einer ruhigen Minute drüber.“   Ihre Antwort: „Klar, ich bin ja nicht blöd“

–SNIP–
Am gleichen Abend hatte ich dann auch einen Termin die Nägel neu zu machen. Gisela war auch begeistert das ich es endlich gewagt habe Farbe zu tragen und sie machte mir Bordeauxrote Nägel.
–SNIP–

Das Outing welches keines war

Einige Tage später hatten wir in der Firma dann diese ruhige Minute und meine Kollegin sprach es direkt an: „Dann erzähl mal was du mir sagen willst.“ Ich deute an das es bei mir in die weibliche Richtung geht und sie meint, das denkt sie sich schon seit Jahren. Sie dachte ich sei schon in der Transition und die farbigen Nägel wären der Startschuss es in der Firma öffentlich zu machen. Sie würde mich dann auch als Betriebsrätin unterstützen.

Aber nein, das war es natürlich nicht, ich sagte ihr ich sei nicht Transsexuell und es bleibt alles so wie es ist. Auch damit hatte sie keine Probleme. Wir unterhielten uns noch einige Zeit darüber, sie hatte sich schon mit dem Thema beschäftigt und steht allem offen gegenüber und sie würde mich auch unterstützen. Ich fragte sie dann auch ob sie schon mal ob sie schon mal Flurfunk wegen mir gehört hatte oder gefragt wurde. Nein, das hatte sie nicht, nur ein Kollege hätte sie mal angesprochen weil ich monatlich die Haarfarbe wechsle, das wäre für ein Mann ungewöhnlich. 🙂 Sonst gab es noch keine Bemerkungen. Ich erlaubte ihr es zu sagen wenn jemand fragt, das schloss sie aber aus. Es sei meine Privatsache,  da wir keine Kleiderordnung haben kann ich rumlaufen wie ich will und derjenige solle mich dann selbst fragen.

Es war also wieder ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Nachdem ich nun in der Freizeit nur noch weibliche Kleidung trage, erlaube ich mir das auf der Arbeit in einer dezenteren Form nun auch. Eigentlich habe ich mein ganzes Leben schon sehr weiblich ausgerichtet. Bisher war ich der Meinung das ich mich im Büro noch sehr zurück gehalten habe. Die Aussage meiner Kollegin widerlegt das aber wohl. Also was soll es, in der Zukunft bin im Büro dann auch so wie es mir gefällt.

Wie geht es weiter?

Nach dem Gespräch mit meiner Kollegin denke ich in letzter Zeit immer öfters darüber nach ob ich wirklich nur ich „nur“ ein Crossdresser bin oder nicht doch eher Transexuell. Wenn ich meinen Lebenslauf mit denen anderer Transexuellen vergleiche finde ich viele parallelen. Nur das ich eine andere Reihenfolge gewählt habe.  Bin ich vielleicht schon unbewusst in der Transition?

Mit diesem Gedanken kam ich auch zur Frage ob ich vielleicht doch den ganzen Weg gehen will. Wenn ich schon heute regelmäßig als Frau erkannt werde, ist dann nicht der nächste Schritt das ich vollständig zur Frau werde. Inklusive Hormone, der Personenstandsänderung und was sonst noch alles dazu gehört.

Der berühmt berüchtigte Cogiati Test bescheinigt mir jetzt schon 180 Punkte mit dem Ergebnis das ich vermutlich Transsexuell bin.  Wie ernst man den Test nehmen kann kann sich jeder selbst denken. Aber erstaunlich finde ich schon das ich bei meinen früheren Tests immer Androgyn herauskam und nun das ich vermutlich Transexuell bin. Vielleicht bin ich aber auch einfach so gut in der Deutung der Testfragen das ich meine Antworten passend manipuliere.
Vielleicht muss ich doch mal mein innerstes auskehren und mit einem Psychologen reden. So wie ich die ganze Prozedur verstehe ist er der einzige der bestimmen kann ob und wie es in einer solchen Richtung weitergeht. Ich werde also noch mal ein paar Wochen mein innerstes erforschen und dann schauen ob und wie es weitergeht.

Viele Grüße
Inge