Mein zweites Leben

Im Oktober 2017 war es geschafft. Mit neuem Personalausweis und neuer Rentenversicherungsnummer war ich im neuen Leben angekommen. In einem älteren Beitrag schrieb ich mit fünfzig Jahren will ich eine Frau sein. Nun habe ich es schon mit Achtundvierzig geschafft. Naja, nicht ganz, eine kleine Anomalie habe ich noch zwischen den Beinen. Da bleibt sie auch erst einmal. Denn, so schön das neue Leben auch ist, es empfing mich mit einer Depression.

Ich bin Depressiv

Vielleicht erinnert ihr euch noch an meinen Bad Day Beitrag im August. Damals habe ich das ganze noch sehr witzig dargestellt, aber zu dem Zeitpunkt fing meine Depression schon an. Ich schlief nur noch 3-4h, alles hat mich gestresst und ich konnte mich kaum noch konzentrieren. Im Job machte ich Fehler, bei dingen die ich schon seit Jahren regelmäßig mache. Das ging dann soweit das ich gefragt wurde ob ich überfordert bin. Das habe ich natürlich verneint, genauso als mein begleitender Therapeut meinte ich wäre unausgeglichen, so hätte er mich noch nie erlebt. Mein Kommentar, ich schlafe schlecht aber habe alles im Griff. Der Endokrinologe meinte ich solle mal etwas weniger Androcur nehmen, vielleicht wird es dann besser. So nahm ich also abwechselnd 5 und 10mg. Geändert hat sich aber nichts.

Ich habe mich in der Zeit sehr viel mit der Angleichenden OP beschäftigt und dachte selbst das dadurch alles andere in den Hintergrund gerückt ist. Ich war fest der Meinung mir geht es gut, alles ist ok.

Die Nacht im Oktober

So ging es bis zu der einen Nacht im Oktober, wieder einmal war ich wach und las einen Bericht über 3D-Drucker, also eigentlich nichts was mich traurig stimmen sollte. Ich fing aber an zu weinen und konnte nicht mehr aufhören. Beim Frühstück, als ich Heike via WhatsApp davon erzählte fing ich wieder an. Das machte mich fertig, ich wusste nicht was mit mir los ist. Ich  hatte gelesen das die Hormone sowas verursachen können, aber von jetzt auf gleich. Ich war vollkommen fertig und ging zu meinem Hausarzt. Dem heulte ich dann auch noch einmal etwas vor und er schrieb mich gleich krank. Diagnose: „mittelgradige Depression“

Er erzählte mir von Tabletten die mir helfen könnten, aber auch von den diversen Nebenwirkungen. Ich war aber so fertig, ich hätte vermutlich alles geschluckt. Er wollte aber das mein Psychologe das absegnet. Der meinte ganz trocken er hat sich das schon beim letzten Termin gedacht und hätte mir damals schon am liebsten eine Schlafmedikation verschrieben. Aber ich war damals so überzeugend in der aussage das ich es im Griff hätte.  Er verschrieb mir dann etwas zum schlafen und etwas was die extremen Gefühle unterdrückt.

Endlich wieder schlafen

Die nächsten Nächte schlief ich 12h durch, tagsüber hatte ich aber sehr mit meiner Konzentration zu kämpfen. Ich kann es schwer beschreiben. ich Mache etwas und auf einmal ist mein Kopf leer. Ich kann nicht weiter machen, fange an zu zittern und zu schwitzen. Einige Tage später hatte ich wieder einen Termin bei meinem Psychologen. Alexandra hat mich gefahren, ich hatte Angst die weite Strecke alleine zu fahren. Nachdem ich zitternd bei ihm Saß diagnostizierte eine Depression mit Angstattacken. Woher sie kommt können wir uns nicht erklären, wir haben einiges angesprochen. Kamen aber immer wieder darauf das ich, nachdem das ganze Rechtliche abgeschlossen ist, der glücklichste Mensch der Welt sein müsste.

Monate danach

Heute, vier Monate später bin ich noch immer krank, während ich das hier schreibe zittere ich immer mal wieder und muss Pausen einlegen. Die Monate habe ich fast nur auf der Couch verbracht, da ist die Wahrscheinlichkeit gering das ich eine Attacke bekomme und lust irgendetwas zu machen habe ich sowieso nicht. Ich nehme nach wie vor die Tabletten ohne die ich gar nicht mehr schlafen kann. Was ein absetzen der Stimmungsmacher bewirken würde will ich mir gar nicht vorstellen. Das Androcur, welches Depressionen verstärken kann, nehme ich seit Anfang Dezember nicht mehr. Zu der, danach nötigen, Blutuntersuchung konnte ich mich bis heute nicht aufraffen.

Im Dezember schaltete die Krankenkasse den MDK ein, welcher mir eine „erheblich gefährdete Erwerbsfähigkeit“ bescheinigt und mir nahelegt eine Psychosomatische Reha zu machen. Der Antrag dafür war aber schon lange auf dem Weg.

So warte ich nun darauf das die Rentenversicherung ihrem frischen Mitglied die Reha gestattet und sich meine Depression dort genauso schnell verabschiedet wie sie gekommen ist.

Die angleichende Operation wie auch die Logopädie sind jetzt erst einmal auf Eis gelegt. Da habe ich im Moment keinen Kopf für. Einige Monat auf der Couch machen sich natürlich auch an der Fitness und am Gewicht bemerkbar. Die zuletzt hart erarbeitete Fitness ist wieder weg und die vertriebenen Kilos sind mit ein paar Kumpels wieder da. Das positive im negativen, sie hängen an anderen Stellen. Soll heißen ich habe zwischenzeitlich eine Handvoll, deutlich ausgeprägte Brust und einen dicken Hintern 🙂

Jetzt wisst ihr warum es zuletzt sehr ruhig im Blog war. Ich weiß auch nicht so richtig wie es weitergeht. Wie schon gesagt ich bin im zweiten Leben angekommen, Frauen/Mode/Lifestyle Blogs gibt es zur genüge. Vielleicht finde ich meine Nische in der ich ihn weiter führen möchte.

Es kommt aber im Mai auch noch die EU-DSGVU, eine neue Datenschutzverordnung welche, auf meinem ersten Blick, das führen eines Blogs wie diesen fast unmöglich macht, vielleicht nehme ich ihn dann auch ganz aus dem Netz.