Outing im Job

Die letzten Wochen waren für mich und meine neues Leben wieder spannend, es ist so viel passiert das ich es in mehrere Beiträge aufteilen möchte. Heute fange ich daher mit den Terminen zur Begleittherapie und mit meinem mit dem Outing auf der Arbeit an.

Begleittherapie zweiter Termin

Anfang Juni hatte ich den zweiten Termin bei der Psychotherapeutin und sie wollte eigentlich nur wissen wie es mir seit dem letzten Treffen ergangen ist. Da ich frisch aus dem Urlaub kam, hatte ich natürlich viel zu erzählen :-), auch von meinem deutlich gestiegenen Selbstbewusstsein. Zuletzt gab auch einen Ausblick was als Nächstes ansteht. Da ich hier auch schon recht genaue Vorstellungen hatte war sie zufrieden und meinte ich solle so weitermachen. Dies bestand aus dem Outing im Job, bei meinem Bruder und im Fitnessstudio.

 

Das Gespräch mit der Personalabteilung

Ursprünglich hatte ich geplant das ich zuerst mit meinem Team und dann mit der Personalabteilung spreche. Es ergab sich dann aber durch Zufall das ich einen Termin mit unserer Personalreferentin bekam. Mir war bewusst das ich sicher besser über den Weg Bescheid weiß als sie und das ich ihr schon Informationen (zu meinen Gunsten) bereitstellen kann.

Ich machte mir also eine Kopie des Begleitschreibens zum DGTI Ausweis. Dazu passend druckte ich mir das Referat der Rechtsanwältin Maria Sabine Augstein aus. Ich hatte es hier schon einmal verwendet: http://zweileben.eu/namensaenderung-onlineshop-vor-der-vapa/
So vorbereitet ging ich also in das Gespräch.

Natürlich war ich vor dem Gespräch sehr nervös, ich hatte mir eigentlich alles zurechtgelegt was ich sagen wollte. Als wir uns dann aber gegenüber saßen war alles weg und ich war ein paar Sekunden stumm. Ich wählte also den direkten Weg und fing direkt im ersten Satz damit an das ich ihr sagte ich sei Transexuell und erntete fragende und erstaunte Blicke. Ich erklärte das ich nun im Alltagstest sei und das ich mir wünschen würde das auch in der Firma zu machen. Da Rentenversicherung, Konto und co noch auf dem alten Namen läuft und ich das vorerst auch nicht ändern kann, würde es mir reichen wenn sie mir eine Emailadresse und Telefonbucheintrag auf meinen Wunschnamen einrichten würden. Ich gab ihr meine Ausdrucke und erwähnte auch das mir bewusst ist das es goodwill der Firma ist wie weit sie mich unterstützen.

Die Antwort hat mich dann etwas überrascht. Das ist kein Problem, die Personalakte ist nur Papier, die ist schnell geändert und alles würde durch ihre Hände gehen, da gibt es keine Probleme. Intern kann sie es gleich ändern, die IT zieht dann nach, wegen meinem Türschild am Büro muss sie mit einem Kollegen sprechen. Einen neuen Zugangsausweis brauch ich auch, da muss ich ein Bild machen lassen, das Alte wolle ich ja sicherlich nicht mehr.
Ich war sprachlos, es hörte sich so an als ob sie das täglich macht. Sie ging da so locker mit um und damit war der Teil des Gesprächs nach gefühlten fünf Minuten beendet und es ging mit Smalltalk und dem interessierten wieso und warum weiter 🙂

 

Mein Outfit zum dritten Termin. Obwohl es recht warm war nahm ich dann doch noch eine Lederjacke mit. Zum Glück, denn je weiter ich Richtung Ravensburg kam desto kälter und regnerischer wurde es.

Begleittherapie dritter Termin

Im Juli folgte dann der dritte Termin. Wieder berichtete ich was seit dem letzten Termin passiert ist, von den vier Punkten die ich mir vorgenommen hatte waren zwei erledigt. Das Gespräch mit der Personalabteilung und mit meinem Bruder. Die beiden anderen, Gespräch mit dem Team und das Outing im Fitnessstudio waren noch offen und kamen direkt auf die neue Liste. Dazu möchte ich noch versuchen die „Gesundheitskarte“ und EC/Kreditkarte auf meinen Wunschnamen zu ändern. Wie redeten dann sehr lange darüber warum ich aktuell mal wieder gar nicht ins Studio gehe und heraus kam das ich einfach nur faul bin. 🙂 Es folgten dann einige Tipps wie ich mich motivieren könnte und mein versprechen es anzugehen.

Outing im Team

Nachdem ich einige Tage unterwegs war wurde es Zeit mich auch beim Team zu outen. Bei einem unserer Teammeetings bat ich um ein paar Minuten Redezeit für etwas privates. Vom Meeting bekam ich wenig mit weil ich mir wieder im Kopf zusammengebaut habe was ich sagen will. Und wieder war, als es ernst wurde alles weg und ich stotterte mir etwas zusammen. Ich fing auf englisch an und denke die wichtigsten Vokabeln wie „transexual, gender change, male to female “ habe ich auch für unsere nicht deutsch sprechenden Kollegen verständlich gebracht, so das ich mich dann schnell entschuldigt habe und alles noch einmal auf deutsch wiederholt habe.

Ich erntete das große Schweigen, welches mein Chef unterbrach in dem er sich für alle entschuldigte falls sie mich dann doch mal mit falschem Namen ansprechen. Von einem Kollegen kam dann aber gleich der Name sei dem Alten ja sehr ähnlich das wird kein Problem geben.

Im Anschluss an das Meeting gab ich HR das Startzeichen alles zu ändern, sie hatten es bereits vorbereitet und warteten nur noch das ich es dem Team sage. Später unterhielt ich mich dann noch mit meiner Kollegin (Betriebsrat), sie hatte es den Betriebsratskollegen auch schon gesagt und sie gebeten falls sie von irgendwelchen negative Sprüchen hören, diese gleich zu unterbinden. Auch hier kam von einigen, mit denen ich gelegentlich zu tun habe als Antwort das sie es sich schon lange gedacht haben und sich über das späte Outing wundern.

Am nächsten Tag nutze ich die Freiheit und ging zum ersten mal mit MakeUp, Ballerinas, 3/4 umgekrempelten Jeans und Pfirsich farbenem T-Shirt zur Arbeit. Meine Kollegin lobte das Outfit und der morgendliche Gruß der Kollegen war besonders ausführlich und führte sie sogar an meinen Schreibtisch. Jeder bemühte sich merklich meinen neuen Namen deutlich zu verwenden. Am zweiten Tag ging es dann aber schon wieder zum normalen müden „Moin“ über.

Stand heute, eine Woche nach dem Start habe ich ein neues Türschild, meine Zutrittskarte mit neuem Bild ist in Arbeit, die IT ist bestrebt mir eine neue Email Adresse und Telefonbucheintrag anzulegen (die sind nicht die schnellsten), intern ist alles geändert nur meine Betriebsrentenversicherung stellt sich etwas quer und möchten etwas schriftliches. Die haben inzwischen aber auch die volle Ladung DGTI Ausweis, Begleitschreiben und Augstein Referat bekommen, so ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit bis die sich auch damit abfinden.

Meine Kollegen gehen normal mit mir um, ich denke es hat sich auch schon am Standort herumgesprochen, trotz deutlich weiblicherem Outfit ist niemand überrascht. Ich wurde aber auch noch nicht darauf angesprochen.

Fazit, wieder einmal lief alles Problemlos.