Trans* Therapie nach einem halben Jahr

Eine kleine Zusammenfassung meiner Begleittherapie im Dezember 2016 und die Rückkehr zum vier Wochen Rythmus. Die Weihnachtstage die ich als Mann verringen musste 🙁 und die Therapiesitzung im Januar 2017, die mit einer Überraschung endete.

Therapie im vier Wochen Rhythmus

Schon ein gutes halbes Jahr gehe ich jetzt zu meiner Therapeutin. Zuletzt hatte ich angeregt dass wir auf einen sechs Wochen Rhythmus wechseln womit sie auch kein Problem hatte. Dann habe ich aber im Web gelesen das die Krankenkasse, bzw der MDK teilweise Probleme macht wenn “die Therapie nicht in ausreichender Dauer und Intensität” durchgeführt wurde. Als ich sie fragte was hier ausreichende Intensität bedeutet, konnte sie mir nur sagen dass sie mit dem vier Wochen Rhythmus noch nie Probleme hatte. Rein zur Sicherheit treffen wir uns nun wieder alle vier Wochen.

Dezember Therapie

Im Dezember sprach ich an das ich den Weg nun höchst wahrscheinlich doch komplett gehen möchte. Ihr merkt so ganz sicher bin ich mir noch immer nicht. Der Wunsch nach der GaOp, für die ich am Anfang ja noch zu ängstlich war, wird aber doch immer größer. Auch das Thema HRT und Pa/Va kam zur Sprache. Hatte ich am Anfang alles noch recht locker gesehen will ich auch das jetzt so schnell wie möglich.
In dem Zusammenhang kamen wir auch auf das Thema Trans* Lebenslauf und Ich erwähnte das es mir im Moment vorkommt als lebe ich erst seit einem halben Jahr, alle Erinnerungen davor verblassen. Auch sagte ich dass ich kaum Erinnerung an meine Kindheit habe. Sie meinte dann ob ich etwas verdrängen würde und fragte gezielt nach einigen abschnitten.

Es kamen Erinnerungen, zwar noch mit falschen Zeitangaben aber es wurden immer mehr. Wir vereinbarten dass ich weiter darüber nachdenke und einige Schlüsselerlebnisse/ Eckpunkte aufschreiben werde. Die folgenden Nächte waren kurz, immer mehr Ereignisse und Namen aus der Schulzeit kamen mir in den Sinn. Mit einem in Stichpunkten verfassten sieben Seiten langen Lebenslauf gehe ich nun in den nächsten Termin.

Weihnachten, drei Tage als Mann 🙁

Vorher ging es aber aus familiären Gründen noch in die alte Heimat zu Alexandras Eltern. Die Beiden wissen nichts von meiner Transition und der Zeitpunkt war auch ungünstig es ihnen zu sagen.
So verwandelte ich mich also für einige Tage, so gut es ging in mein altes ich. Heißt die androgyn/männlichsten Sachen aus dem Schrank (Männersachen habe ich nicht mehr). Die Nägel kürzen und in Taupe lackiert (wie konnte ich nur monatelang mit der Farbe herumlaufen?), kein Makeup und die Haare recht ungestylt.

Mit dem Gedanken die Zeit so kurz wie möglich zu halten brezelte ich mich zur sechs Stunden Autofahrt noch richtig auf und dachte im Hotel kann ich mich früh genug verwandeln. Im Hotel wurde ich dann auch als Frau behandelt, schließlich war das Zimmer auch auf Inge gebucht. Das Upgrade zur Suite im menschenleeren Hotel  konnte meine Laune auch nur kurz aufhellen, denn es musste sein, ich musste zurück in mein altes Ich.
Ihr glaubt gar nicht wie schwer das war, ich selbst habe es vorher nicht geglaubt. Aber schon alleine immer mit altem Namen angesprochen zu werden war sehr anstrengend für mich. Alexandra meinte meine Laune wurde zunehmend schlechter und ich wäre in alte verstockte Muster zurück gefallen.

Aufgefallen ist mein Style natürlich doch. Weniger bei Alexandras Eltern als bei den Leuten drumherum die mich sichtlich nicht einordnen konnten. Wobei ihre Mutter mich doch immer wieder von oben bis unten gemustert hat. Sie sah meine normalerweise gestylten Haare und bemerkte das ich sie am Vortag besser gestylt hätte.

Schon als sie mich zuletzt gesehen hat gaben ihr meine lackierten Nägel lange zu denken. Wir waren dort und einen Monat später , während eines Telefongesprächs, fragte sie Alexandra danach. Die erklärte es mit brüchigen Nägeln welche verstärkt werden müssen und bekam zu hören: “Ein Mann macht sowas nicht”
Nach einem Tag war ich schon so weit, ich hatte die Erlaubnis von Alexandra und habe auf eine gute Gelegenheit gewartet mich zu Outen. Die kam dann aber doch nicht.

Wir hatten auch extra ein schönes Outfit im Gepäck um einmal Abends in ein Restaurant oder an die Bar zu gehen. Aber ihr glaubt es kaum, am Heiligen Abend und ersten Weihnachtsfeiertag war alles geschlossen. Wir haben in halb Dortmund die uns bekannten Restaurants abgefahren und landeten schließlich bei McDonalds damit wir überhaupt noch etwas zu essen bekamen. So gab es ein drei Gänge Weihnachtsmenü bestehend aus Menü Nr.1 und einem McFlury Eis hinterher.

Januar Therapie

Einen Tag vor meinem Termin zur begleitenden Therapie bescheinigte mir mein Hausarzt eine mittelschwere Depression. Schlafstörung und andere Kleinigkeiten die sich zu einem ganzen Addieren. Zwar nicht wegen meiner Transsexualität aber ich hatte doch etwas Angst dass sich dies Negativ auswirkt. Meine Therapeutin versicherte mir aber das dies keinerlei Einfluss hat. Trotzdem redeten wir auch lange über die Hintergründe.

Dabei erwähnte ich dann auch welche Probleme ich hatte für einige Tage in  meine alte Rolle zu wechseln und dies brachte sie zu der Frage ob ich mir vorstellen könne wieder auf dauer als Mann zu leben. Dies konnte ich nach dieser Erfahrung verneinen. Mein neues Leben ist um längen besser als mein Altes.

Wir überflogen den mitgebrachten Lebenslauf den ich auch mit einigen Bildern aus 1999, 2012 und 2014 aufgehübscht hatte. Einige Erlebnisse brachten uns beide zum lachen, beim anblick der Bilder meinte sie aber dass ich auch schon früher ein gutes Passing hatte. Sie wollte ihn sich später noch genauer durchlesen.

Zuletzt sprachen wir auch über VA/PA, HRT und GaOp und sie meinte mit der gerichtlichen Vornamensänderung und Personenstandsänderung könne ich auch gleich starten.

Ich fragte dann auch noch einmal wegen dem „Leidensdruck“ nach. Diesen sollte man ja eigentlich für die Angleichung haben. Nach meiner Meinung habe ich den aber nie verspürt. Das sieht sie auch so, meint aber das ist völlig in Ordnung weil ich, wie man am Lebenslauf sehen kann, immer ein Ventil hatte. Dadurch das ich meine Weiblichkeit immer zeitweise ausgelebt habe konnte sie glücklicherweise kein Druck aufbauen.

Den Start der HRT erklärte sie mir auch kurz und machte mir Hoffnung dass wir auch damit bald starten.
Anfangs meinte sie das sie die Indikation erst nach einem Jahr Therapie (Mai 2017) gibt. Jetzt sagt sie so fix ist dieser Termin nicht, mit den Voruntersuchung könnten wir schon starten und wenn die Ergebnisse da sind kann sie mir auch die Indikation ausstellen.
Alles in allem war diese Stunde dann doch nicht so langweilig. Diesmal war sie am Ende sogar zu kurz so dass wir dies auf den nächsten Termin vertagten. Anfang Februar wird es dann also spannend.