Trans und Fitness

Hallo ihr Lieben,

wenn ihr hier regelmäßig lest wisst ihr das ich ständig mit meinem Gewicht kämpfe. Der Bürojob, meine Faulheit und ein kaputter Rücken tun ihr übriges, so das es mir zeitweise nicht so gut geht. Vor gut fünf Jahren, damals mit guten 125kg, konnten mich die Ärzte überzeugen das ich Sport machen muss. Seither bin ich in einem Fitnessstudio angemeldet. Ich sage bewusst angemeldet, weil besucht habe ich es durchgängig das erste Jahr (da war ich bei 105), danach eher seltener. 2014 in einer Phase wo ich wieder sehr aktiv war ging es auf 101,2 kg runter dann wieder langsam rauf und in der letzten Zeit hat das Studio mich dann gar nicht mehr gesehen.

Wie schon im letzten Bericht geschrieben war meine mangelnde Motivation auch ein Thema im Therapiegespräch. Sicher hat auch dazu beigetragen das ich die Herrenumkleide nicht mehr besuchen wollte, aber letztendlich kamen wir zu dem Schluss das ich einfach nur faul bin. Durch das Gespräch motiviert machte ich noch in der gleichen Woche einen Termin im Studio. Der Trainer, der mich von Anfang an kennt eröffnete das Gespräch mit „Es freut mich deinen Namen mal wieder gelesen zu haben, willst mal wieder durchstarten?“.
Ich sagte „Ja und diesmal habe ich auch einen neuen Grund“ und erzählte ihm von meiner Transsexualität.

Er war brennend daran interessiert wie das mit den Hormonen funktioniert und ist sehr gespannt wie sich mein Körper dadurch verändern wird.
Dann kam ich zu der Frage der Umkleidekabine, er gab mir recht das die Herrenumkleide nicht mehr geht und er meinte in der Damenumkleide würde ich sicher weniger auffallen. Ich versprach ihm auch möglichst Stealth aufzutreten und duschen würde ich sowieso lieber zu Hause. Er wollte das mit den Chefs besprechen und beim nächsten Termin könnte er mir dann genaues sagen.

Der nächste Termin fand dann einige Tage später statt und er begrüßte mich gleich damit das ich ich mich links umziehen könnte (Links sind die Mädels, rechts die Jungs), da ich aber schon fertig war ging es gleich in den Wiegeraum. Hier begrüßte mich die Waage freundlich zur Körperanalyse, zwar als Mann aber das macht hier ja noch Sinn. Fazit… Ich bin zu schwer, habe genug Muskeln, in den Beinen sogar mehr als Normal, der Wasserhaushalt ist in Ordnung, Fett habe ich hauptsächlich am Bauch, aber dafür reichlich und das ist auch das besonders Gefährliche 🙁

Eine Diät soll ich aber trotzdem nicht machen, nur etwas auf die Qualität der Lebensmittel achten und grob die Kalorien zählen. Das Training besteht aus einem Zirkeltraining zur Kraft/Ausdauersteigerung, mit abschließendem 15min Intervalltraining auf dem Laufband. Zusätzlich dann noch an einem Tag ein leichtes Ausdauertraining von etwas einer Stunde bei dem ich den Puls im Bereich von 120 bis 140 halten soll.

Unterm Strich also ein eher leichtes Training, da ich aber eine sehr hohen Ruhepuls habe soll ich unbedingt meinen Maximalbereich meiden.

Nun habe ich aber ein ernstes Problem, ich habe nichts anzuziehen. Wenn ich schon die Damenumkleide benutze und als Frau auftrete kann ich meine alten (hässlichen) Sportklamotten ja nicht mehr anziehen. Also muss etwas neues her und bis dahin habe ich aber noch die gute alte „unisex“ Laufhose mit passenden T-Shirts die schon während meiner letzten Reha die Betreuerinnen verwirrt haben 🙂

Update:
Inzwischen war ich einige male beim Sport und habe inzwischen auch Damen-Funktions-Sportkleidung (Die echt schwer zu finden ist). Siehe  Bild oben, leuchtend Orange und Pink 🙂
Alles läuft gut,  auch wenn ich die ersten Male in der Umkleide etwas aufgeregt war, die Pulsuhr zeigte beim verlassen einen 120er Puls, werde ich in der Damenumkleide voll akzeptiert. Selbst von den Damen die mich aus meinem früheren Leben kennen gehen normal mit mir um. Wobei ich mich natürlich auch Stealth verhalte, man muss ja auch keinen Ärger heraufbeschwören.

Meine Physiotherapeut meinte schon meine Rückenmuskulatur wäre entspannter/besser und er ist auch fest davon überzeugt das ich bereits abgenommen habe. Davon weiß die Waage aber noch nichts. 🙂