Der Beratungstermin

Dank Feiertag, Brückentag und somit langem Wochenende habe ich endlich die Zeit gefunden etwas über meinem Beratungstermin bei der Psychotherapeutin zu schreiben. Dieser fand am letzten  Dienstag im April statt. Schon am Wochenende vorher wurde ich etwas nervös, mein Gedanke war das ich den Therapieplatz nur bekomme wenn ich einen guten Eindruck (problemloser Fall 🙂 ) bei ihr hinterlasse. Dadurch machte ich mir selbst etwas druck. In den Tagen vorher durchsuchte ich das Web wie so ein Termin abläuft, fand jedoch so viel unterschiedliche Informationen das ich immer nervöser wurde. Bianka schob dem dann ein Riegel vor ich solle mich nicht verrückt machen und es auf mich zukommen lassen. Sie wollte mich auch begleiten, zumindest mit mir zusammen hinfahren, das sie mich zum Gespräch begleitet wollte ich dann doch nicht. Das könnte mir ja als schwäche ausgelegt werden.
Montag Abend überdachte ich das Outfit was ich zum Termin tragen wollte. Eigentlich wollte ich eine Bluse zur Jeans tragen, erkennbar, aber nicht aufgesetzt weiblich. Ihr merkt ich plane eigentlich immer alles recht genau, das Wetter machte mir aber mit Schneeregen (Ende April 🙁 ) einen Strich durch die Rechnung. So wurde es dann spontan eine schwarze Jeans zum goldenen glitzer blingbling Longpulli, schwarzer Loop und passenden schicken Sneakern. Vervollständigt wurde das Outfit durch eine neue Lederjacke und meine Handtasche von Forty Degrees.

Dienstag morgen klingelt der Wecker nach einer Nacht mit wenig Schlaf. Nach einer gründlichen Rasur meiner verbliebenen Barthaare schminke ich mich dezent, etwas Puder, etwas Rouge, etwas Lidstrich, Mascara und Lipgloss. Als wir dann endlich im Auto saßen ließ Bianka mich fahren, sie meinte das würde mich ablenken. Das Navi zeigte eine Ankunftszeit von 9:46 Uhr, um 10 war der Termin. Also noch im Rahmen, ich reizte jedoch die Geschwindigkeitsbegrenzungen großzügig aus und wir kamen noch früher an. Vom Parkhaus zur „Praxis“ waren es nur wenige Minuten und ich verabschiede mich fürs erste von Bianka, sie wollte sich etwas die Stadt ansehen.

Die Praxis sah aus wie eine Wohnung, unser Gespräch fand im nett eingerichteten „Wohnzimmer“ statt. Wir saßen und in Sesseln gegenüber und sie schaute mich erwartungsvoll an. Ich sagte ihr also gleich es sei mein erstes mal und ich weiß nichts über den Ablauf. Den erklärte sie mir dann, dieser Beratungstermin dient zum Kennenlernen, wir könnten so einige Sitzungen machen um zu sehen ob wir miteinander klarkommen. Dann würde sie einen Antrag bei der Krankenkasse für einen Langzeittherapie stellen, wir würden uns dann ca einmal im Monat sehen  und uns unterhalten. Dann gab sie mir Stichwörter und ich erzählte und erzählte, während sie fleißig mitschrieb.

Ihre Frage was ich mir von der Therapie erwarte beantwortete ich damit das ich jetzt gemerkt habe das ich Transsexuell sei und für den weiteren Weg eine begleitende Therapie vorgeschrieben ist. Sie fragte dann genauer nach und als ich Die HRT (Hormonthearpie) erwähnte sagte sie das sie die Indikation dazu erst nach einem Jahr gibt und ob das für mich in Ordnung wäre, andere Therapeuten würden sie schon viel früher geben. Sie erklärte dann auch das wir die vorbereitenden Untersuchungen schon früher machen könnten.

Am gleichen Abend mit frisch gefärbten Haaren

Ich bestätigte das ich damit leben kann und das ich mit meinem männlichen Körper auch kein direktes Problem habe und fügte an das ich genauso wenig ein Problem damit habe wenn „er“ morgen abfällt. So kamen wir kurz zum Thema Sexualität, was wie ich dann gelernt habe nicht gleich Geschlechtsverkehr ist und es ging weiter zu meiner Vergangenheit als Crossdresser und warum ich jetzt meinte Transsexuell zu sein.
Ich erzählte von meinen „Problemen“, das ich von den Herrentoiletten vertrieben werde, das ich in der Männer Umkleide im Schwimmbad und Fitnessstudio schräg angesehen werde, das mich inzwischen jeder auf den ersten Blick für eine Frau hält und das ich mir selbst inzwischen sicher bin auch eine zu sein.
Es ging um die Beziehung zu Bianka, ich habe kurz etwas über meine Eltern erzählt und immer wieder über meine Freundinnen. Da ich ihr anfangs auch gesagt hatte das mir eine Therapeutin lieber ist als ein Therapeut, kam sie nun wohl zu dem Schluss das ich vielleicht ein Problem mit Männern habe. Dies verneinte ich dann, schließlich haben meine Freundinnen auch alle Partner mit denn ich auch gut klarkomme.
So kamen wir von einem Thema zum anderen und wieder zurück und die Zeit verging schnell.
Ein großes Thema war dann noch mein Outfit, sie fragte ob das mein Style sei, was ich bejahte, enge Hose mit langem Oberteil. Sie fragte dann noch wie ich dazu gefunden habe und ich erzählte auch von den diversen Fehlkäufen die ich noch im Schrank habe, und natürlich wieder von den Freundinnen die mich immer gut beraten hatten.

Sie erklärte mir dann wie die Begleittherapie abläuft, das ich das meiste, dadurch das ich schon recht offen lebe, schon erlebt habe und dadurch schon sehr weit wäre. Sie meinte dann wieder sie wäre eigentlich voll, aber so alle 5-6 Wochen könnte sie mir schon einen Termin einrichten. Mit einem Fragebogen und dem Antrag für die Krankenkasse verließ ich sie wieder. Beides muss ich nun ausfüllen, ihr zuschicken, sie beantragt die Therapie bei der Krankenkasse und wenn die ihr OK geben machen wir den nächsten Termin.

Tweety Schlafanzug

Snoopy Schlafanzug

Bianka hat schon vor der Tür auf mich gewartet, sie war etwas Shoppen und hat uns für den Sommerurlaub ein paar süße Schlafanzüge mit Tweety und Snoopy (Wie hieß sein Vogelkumpel?) Motiv gekauft.  Sie war neugierig und so erzählte ich ihr alles über das Gespräch, so intensiv das ich mich einige male verfahren habe. Sie wechselte dann auf den Fahrersitz und wir riefen die ebenfalls auf heißen Kohlen sitzende Lulu an.
Bei Eisregen und Schnee (Ende April 🙁 ) fuhren wir am Bodensee vorbei Richtung Villingen Schwenningen zum Frisörbesuch bei Agy und Thomas. Denen musste ich dann natürlich auch noch einmal alles erzählen und bekam währenddessen wieder einmal Kupfer rote Strähnen. Thomas hat dabei nicht verstanden warum ich eine Therapie brauche, er meinte ich sei doch eigentlich ganz normal (im Sinne von: nur verrückte brauchen eine Therapie) und ich erklärte ihm das diese Begleittherapie Voraussetzung für den weiteren Weg ist und mir helfen soll den Alltag als Frau zu bestehen.

Für das ausfüllen des Fragebogens habe ich mir einige Tage zeit gelassen. Anders wäre es auch nicht möglich gewesen. Denn es waren auch fragen dabei wie die Kindheit verlaufen ist, wie man aufgeklärt wurde, wie das Verhältnis zu den Eltern war und welche schweren Krankheiten man hatte… Alles fragen die nach meiner Meinung mit der Transsexualität nicht viel zu tun haben, aber ich habe ja auch nicht studiert und die Therapeutin wird es schon wissen. Mein letzter Satz war dann auch:

„Mein Gefühl sagt mir das der Fragebogen nicht unbedingt auf den Grund meines Therapiewunsches zugeschnitten ist. Ich hoffe aber ich habe alle relevanten Punkte erfasst und beantwortet.“

So habe ich den Fragebogen und den Antrag gewissenhaft auf vier Seiten beantwortet und ihn am 03.Mai raus geschickt. Jetzt heißt es also wieder warten. Ich warte übrigens auch immer noch auf den DGTI Ausweis. Am 14.April beantragt, ist eine Bearbeitungszeit von 3-4 Wochen angegeben. Also noch im grünen Bereich.