Urlaub Gran Canaria 2017

Schon lange hatten Heike und ich einen gemeinsamen Urlaub auf Gran Canaria geplant. Nun war es endlich so weit, zwei Freundinnen machen das Nachtleben von Playa de Ingles unsicher.
Heike verbringt ihre Urlaube schon seit Jahren auf Gran Canaria und konnte nicht verstehen dass Alexandra und ich bei unseren Urlauben dort nicht in das berühmt berüchtigte Nachtleben eingetaucht sind.
Das musste sie unbedingt ändern und in diesem Jahr ergab sich die Gelegenheit. Sie war schon eine Woche vor Ort als ich auf der Insel angekommen bin und sah schon einigermaßen entspannt und gebräunt aus, dies sollte sich in der gemeinsamen Woche aber wieder reduzieren  🙂

Unser Bungalow

Wir haben nicht in einem Hotel übernachtet sondern in einem Bungalow, genauer in der Holycan Bungalow Anlage. Diese wird größtenteils als Wochenend Anlage von Einheimischen bewohnt, sie wurde vor ca. 40 Jahren errichtet für Spanier aus La Palma zur Sommerfrische und nur wenige der Häuser werden auch an Touristen vermietet. Das bedeutet unter der Woche waren wir fast alleine auf der Anlage und hatten somit auch den Meerwasser Pool fast alleine für uns.

Unser Bungalow ist zweckmäßig und hübsch eingerichtet, es ist alles vorhanden was man so benötigt, inkl. Waschmaschine, Küche und Fernseher mit deutschem satteliten Programm. Eigentlich kann man hier auch auf dauer leben und der Wunsch wurde bei uns beiden im laufe der Woche immer größer. Man wacht auf, schlurft in die Küche für den ersten Kaffee, schlurft weiter auf die große überdachte Terrasse und wird von 24Grad Lufttemperatur und der Sonne begrüßt. Jetzt einigermaßen wach geht man rauf auf die Dachterrasse  und genießt sonne pur (nicht geeignet nach einem ausgiebigem Cuba Libre Abend da ist die Sonne einfach zu hell). Für mich allerdings maximal zehn Minuten sonst wäre ich als Krebs wieder herunter gekommen.

Trotz September waren die Temperaturen noch sehr hoch, tagsüber auch bis 28Grad und die Sonne brannte erbarmungslos.

Ein Urlaub unter Freundinnen

Wie schon gesagt fingen wir den Tag meist sehr entspannt und spät an. Unser Frühstück nahmen wir auf der Terrasse ein, zweimal haben wir sogar gekocht, einkaufen konnte man hierzu in einem nur 2 km entferntem LIDL. Eigentlich spielte sich die ganze Zeit zu “Hause” nur auf der Terrasse ab.
Fast jeden morgen ging es eine Runde durch den Pool und anschließendem halbstündigen trocknen in der Sonne, einmal besuchten wir mit dem für diese Woche gemietetem Auto Puerto de Mogan, eine wunderschön fast kitschige kleine Hafenstadt mit typischen canarischen Häusern, sahen uns die imposante Anlage des Anfi del Mar an, machten einen Rundgang auf der Herzinsel und fuhren die Küstenstraße GC500 entlang.

Wir besuchten auch die Promenaden von Playa de Ingles und Maspalomas. Erstere zwar altbacken aber voller bunter Geschäfte und Restaurants, mit leider sehr hohe Temperaturen in den schmalen Gängen. Zweitere mondän und neu aber teuer. Heike ließ es sich auch nicht nehmen die Füße am Strand von Playa de Ingles im Atlantik zu kühlen. Ich verzichtete zugunsten meiner schicken bling bling Sandalen darauf die ich mich weigerte auszuziehen da der Sand Lava glühend heiss war.

Wir ließen es uns natürlich auch nicht nehmen einmal das Lopesan costa Meloneras zu besuchen, jenes Hotel in welchem Heike in den vergangenen Jahren schon einige und ich zwei mal gewohnt habe. Hier kamen wir aber beide zum Schluss dass wir dort nie wieder einen Urlaub verbringen werden. Es ist inzwischen einfach viel zu überlaufen, Liegewiesen die vorher für TaiChi genutzt wurden waren zu Liege an Liege Sonnenplätzen mit Kunstrasen umfunktioniert worden und die Anlage war überfüllt, dadurch hat sie die Exklusivität, Ruhe und den Charm verloren.

Die restliche Zeit verbrachten wir aber in Playa De Ingles, genauer im Yumbo Shopping Center welches grob zehn Minuten Fußweg von unserem Bungalow entfernt war und der Ort den Heike mir näher bringen wollte.

Yumbo Shopping Center

Wie ich schon in einem früheren Reisebericht geschrieben habe sind die spanischen Shoppingcenter anders als wir das hier in Deutschland kennen. Man kann dort nicht nur shoppen sondern es gibt auch Ärzte, Restaurants und alles was man so zum Leben braucht, brauchen könnte oder auch nur einfach unbedingt haben muss.

Das Yumbo ist noch einmal spezieller denn es ist fest in der Hand der schwul bunt schrillen Community (ich benutze den Begriff schwul hier nicht abfällig, er passt nach meiner Meinung am besten). Das Yumbo besteht aus mehreren Ebenen, die erste wirkt noch normal, dort haben wir uns natürlich nie aufgehalten, die zweite birgt Geschäfte, meist China Import Läden mit immer den gleichen Artikeln, in diesem Jahr Michael Kors Fake Handtaschen 🙂 und daneben gibt es auch einige sehr gute Restaurants.

Eine Handtasche haben wir uns auch gegönnt, für Heike in Schwarz, für mich in Braun. Allerdings ohne das MK zeichen. Heike ist Königin im Verhandeln und nach dem der wirklich sympathische Verkäufer am Ende dann fast anfing zu weinen wollte ich sogar noch zwei Euro drauflegen, als er im selben Atemzug aber fünf Euro mehr wollte bekam selbst ich ein eisiges Herz und es blieb bei einer glatten Summe.

Die unterste Ebene ist aber die interessanteste. In der Mitte ein großer Platz, drumherum eine Flaniermeile mit Bars und Restaurants dicht an dicht. Hier verbrachten wir die meiste Zeit unseres Urlaubs. Angefangen im Gio, einem guten Italienischen Restaurant mit dem besten Blick auf die dahin schlendernde bunte Menschenkaravane, ging es dann meist weiter in die Bar LaBulle, mit dem besten Cuba Libre der Insel, auf deren Terrasse wir dann bis spät in die Nacht bei diversen Havanna/Cola oder Cocktails saßen und dem treiben auf der Flaniermeile zu sahen.

Man kann es kaum beschreiben was hier los ist. Man sieht  jede menge Schwule, TVs, Drags, Kerle in Leder und was es noch so alles in dem Bereich bunt schrill verrückt gibt. Hier läuft Jeder herum wie es ihm gefällt. Dazwischen dann die “normalen” Urlauber die hier eher auffallen durch Papas Sport Hose, Socken und Sandalen und Mamas Blümchen Sommerkleid aus den 80ern.

Jeder sieht und will gesehen werden, viele laufen diese Flaniermeile mehrmals im Kreis bis sie sich dann doch in einer der vielen Bars niederlassen oder denjenigen gesehen haben nach dem es sie verlangt und  mit dem sie dann ins Dunkel eines Hinterzimmers verschwinden können oder einen Abend im Getümmel verbringen möchten.

Um den Platz gegenüber der Bars  stehen kleine Marktstände an denen allerlei Kram verkauft wird. Neben den diversen Schmuckständen kann man sich Henna Tattoos oder Portraits malen lassen. Soweit normal, folgt dann aber ein Stand der Kerzen in Regenbogenfarben und Dildo Form verkauft und direkt daneben einer mit Lederspielzeug und Harnesse für die Leder Kerle und Frauen. Hier findet die die Anprobe dann auch gleich auf der Straße statt. Eine Dame zog blank und probierte einen schicken Glitzerharness gleich an.

Zwischendurch gibt es akrobatische Vorführungen von sexy jungen durchtrainierten Männern, inklusive Papagei. Dieser hat dann auch einmal auf Heikes Arm für ein paar Bilder Platz genommen und sie fast zum Fressen gerne hatte. Ein anderes mal, vor einer Travestie Bar, stahl jemand aus dem Publikum den Damen auf der Bühne die Show. Hier ist immer und überall etwas los.

Irgendwann, tief in der Nacht, nach dem zweiten oder dritten Cocktail (bei drei haben wir immer aufgehört zu zählen) ging es dann nach Hause. Obwohl wir durch dunkle Gassen mussten hatten wir hier nie ein Gefühl der Angst. Die Leute sind hier alle so entspannt, da kann es keine Bösen geben. Die Polizeipräsenz ist hier aber auch deutlich sicht- und spürbar, die Strafe bei jeglichen strafbaren Handlungen ist auf der Insel aber auch so drakonisch das Überfälle eher unwahrscheinlich sind. Wir fühlten uns hier mitten in der Nacht sicherer als in Deutschland zur Mittagszeit in einer Fußgängerzone.

Dank Heikes Kontaktfreudigkeit bekamen wir auch eine Einladung uns mal ein typisches Haus eines deutschen Auswanderers anzusehen. Wobei Sven, so der Name des glücklichen Inselbewohners, jetzt auch nicht ganz typisch ist, eher deutsch. Er ist vor knapp zwanzig Jahren ausgewandert, ist schwul und arbeitet in einem Restaurant.
Bei Kaffee und Kuchen erzählte er uns über das Leben auf Gran Canaria und in uns wuchs immer mehr der Wunsch auch hier leben zu können in einigen Jahren. Wir regten sogar an dass er sich doch ein schöneres Haus suchen solle, wir würden seins dann so wie es ist übernehmen. Das wollte er dann aber doch nicht.

Zweimal gingen wir auch im Planet Bayern essen. Bei echter deutscher Kost in weiß blauer Umgebung ist es ein Treffpunkt der deutschen Auswanderer. Für uns ideal weil es nur wenige Meter von der Bungalow Anlage entfernt ist. Der Kaiserschmarrn war  traumhaft. Das Wiener Schnitzel göttlich und die Currywurst war noch ok.

Fazit

Es war ein komplett anderer Urlaub als ich ihn sonst erlebt habe. Im Bungalow bekommt man nicht wie im Hotel ein riesiges Frühstücksbuffet oder das Essen vorgesetzt. Das Zimmer wird nicht jeden Tag gereinigt und man muss selbst den Geschirrspüler einräumen.
Aber man ist frei, man kann machen was und wann man will, man lebt einfach in den Tag hinein. Fast ein Leben wie zuhause, nur ohne Arbeit, ohne Stress aber mit viel Sonne.

Anstrengend war es aber doch. Wir waren beide ganz schön kaputt als es wieder richtung Heimat ging. Die Entscheidung ob das an unseren allmorgendlichen Schwimmübungen oder den allnächtlichen Barbesuchen lag, überlasse ich eurer Phantasie 🙂