Va/Pa erstes Gutachten

Seit Februar liegt mein Antrag zur Vornamensänderung und Personenstandsänderung beim Amtsgericht. Anfang April wurden meine Gutachter beauftragt und in der letzte Woche gab es das erste Gespräch mit einem der Beiden.

Die Gutachter

Im Antrag hatte ich mir meine Therapeutin und meinen eventuellen zukünftigen Therapeuten gewünscht. Bei der Therapeutin hat das Gericht zugestimmt, beim Zweiten aber einen Professor aus Ulm gewählt. Eine erste Recherche im Internet machte mich etwas nervös, so hat er früher wohl generell die Hormontheraphier und die Geschlechtsangleichende Operation abgelehnt, inzwischen seine Meinung aber geändert und je mehr ich über ihn gelesen habe desto sympathischer wurde er mir.

Kontakt

Mit meiner Therapeutin hatte ich bereits bei der letzten Therapiestunden einen extra Termin Mitte Mai gemacht. Beim anderen wartete ich einige Tage weil ich erwartete er würde sich melden. Dem war aber nicht so. Ich rief an und bekam als erstes den “Vorwurf”: Ich wäre eine derjenigen die in den Antrag keine Telefonnummer reinschreiben, dann könne er ja nicht in Kontakt treten. Einen Termin gab es dann überraschenderweise bereits zwei Tage später.

Zu klärende Fragen

  1. Empfindet sich der Antragsteller seit mindestens drei Jahren dem weiblichen Geschlecht zugehörig?
  2. Steht er seit mindestens dieser Zeit unter dem Zwang, entsprechend dieser Vorstellung zu leben.
  3. Ist mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass sich das Zugehörigkeits Empfinden zum weiblichen Geschlecht nicht mehr ändern wird.

Das Gespräch

Natürlich war ich nervös, sehr nervös aber das nahm er mir indem er mir erst einmal etwas von sich, der Geschichte des TSG . Mir war z.b. neu das die Gutachterei im TSG auch mit dem §175 , dem Verbot der Homosexualität in Deutschland zu tun hat. Für eine Namensänderung nach dem TSG war damals Vorgeschrieben das man:

“dauernd fortpflanzungsunfähig ist und sich einem ihre äußeren Geschlechtsmerkmale verändernden operativen Eingriff unterzogen hat, durch den eine deutliche Annäherung an das Erscheinungsbild des anderen Geschlechts erreicht worden ist.”

Einige Homosexuelle Paare nutzen das TSG wohl um das Verbot der Homosexualität zu umgehen. Einer der beiden ließ sich, natürlich ohne OP, offiziell zur Frau machen und somit konnten sie ungestört leben. Bei den beiden unabhängigen Gutachten ging es damals also nur um eine Sichtkontrolle ob die Geschlechtsangleichende Operation durchgeführt wurde. Nachdem der §175 Geschichte ist und und im TSG die Pflicht zur GAOP auch gestrichen wurde, sind die Gutachten also eigentlich unnötig.

Inzwischen war ich also nicht mehr so angespannt und es folgten knapp zwei Stunden kurzweilige Konversation in der ich über mich und meine Vergangenheit, mein Gegenüber aber auch immer wieder die eine oder anderer Anekdote aus seiner Vergangenheit erzählte.

Nach dem Gespräch und zusammen mit meinem Lebenslauf, hatte er dann genug Material um sein Gutachten zu füllen. Meine vorsichtige Frage ob es denn positiv wäre beantwortete er: Ob ich etwas anderes erwartet hätte? Am Anfang habe er mir doch gesagt das das ganze Gutachten sowieso sinnlos ist. Das positive Gutachten wäre dann in 2-3 Wochen beim Amtsgericht 🙂