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Inge, Trans* und Depression (Part 1)

Vor gut einem Jahr habe ich zuletzt über mich, meiner Transexualität und meiner Depression geschrieben. Damals war ich noch fest im glauben ich hätte alles hinter mir und die Depression wäre Geschichte. Aber nein, leider haben sich sowohl die Psychologen in der Klinik und besonders natürlich ich, wir alle haben uns geirrt. Da ich hier über ein ganzes Jahr schreibe, werde ich es in zwei Teile aufteilen.

Die Wiedereingliederung

Die Wiedereingliederung 2018 wurde von der Klinik zusammen mit meinem Arbeitgeber geplant. Nur zwei Wochen, original Ton des Oberarztes: “damit Sie schnell wieder richtiges Geld verdienen”, das passte natürlich auch zum Monatswechsel. Fünf Arbeitstage je Woche, dabei einen bis zwei Tage im Büro und den Rest zu Hause. Empfehlung im Abschlussbericht, ruhiges Büro, möglichst oft zuhause arbeiten und maximal sechs Stunden.
Dementsprechend  war die Wiedereingliederung eingeteilt. Montags Büro, Rest der Woche zuhause oder bei bedarf Mittwochs noch einmal im Büro. Dazu in der ersten Woche eine Arbeitszeit von vier und in der zweiten Woche von fünf Stunden. Das war gut zu schaffen und mit der Aussage der Klinik das die Arbeitgeber das als Empfehlung meist übernehmen sah ich auch wenig Probleme.

Die Probleme kamen in der zweiten Woche als ich bei der Personalabteilung anfragte wie es nun  nach der Wiedereingliederung weiter geht. “Ganz normal, wie bisher” war die Aussage, heißt fünf Tage zu sieben Stunden. Nicht ganz das was die Klinik und ich mir vorgestellt hatten. Hauptgrund der Ablehnung, mein Arbeitgeber gestattet uns nur einen Tag zuhause zu arbeiten. Den Grund versteht niemand. Als Softwareentwicklerin kann ich zuhause genauso arbeiten als wenn ich im Büro sitzen würde, würde mir nur jeden Tag zwei Stunden Autofahrt und der Lärm im Büro erspart bleiben.
Mitte der dritten Woche, ich arbeitete 5x7h kam es morgens zu einem Absturz. Ich rief heulend meine Kollegin/Betriebsrätin/Freundin an und bat sie mir zwei Wochen Urlaub und einen anderen Vertrag, der mich weniger belastet, zu besorgen. Im Job selbst bekam ich ein neues Aufgabengebiet. Ich sollte nicht mehr die mehr als stressige Integration machen sondern durfte nun anderen Entwicklern, in meiner Lieblingssprache Java. zuarbeiten.

Der neue Vertrag

Natürlich bekam ich die zwei Wochen Urlaub und man setzte sich zusammen um mir einen neuen Vertrag zu besorgen. Dazu muss ich sagen das wir nur ein Standort unserer Firma sind und so wichtige Sachen mit dem Hauptsitz besprochen werden müssen. Von dort kommt auch die Auflage das wir nur einmal in der Woche zuhause arbeiten dürfen.
Der lange verhandelte neue Vertrag sah vor das ich nur vier Tage in der Woche, davon zwei im Büro und als absolute Ausnahme auch zwei Tage zuhause arbeiten kann. Allerdings um nahe an meine alte Stundenszahl zu kommen in 4x8h Stunden. Das ganze auch nur auf drei Monate beschränkt. Ich war aber erst einmal froh das sich etwas geändert hat und unterschrieb den Vertrag.
Mir war schon bewusst das es sicher nicht üblich ist das mein Arbeitgeber mir meinen Stuhl für ein Jahr frei hält und ich mir dann noch meine Arbeitszeit “wählen” kann.

Der Absturz #2

Wenige Wochen später, ich programmierte jetzt schon recht erfolgreich in Java bekam ich wieder einmal Probleme mit meinem Nacken/Schulter. Mein ewiges Problem, wohl die erste oder auch die letzte Warnung von meinem Körper. Ich nahm Tabletten und hielt noch ein paar Tage durch. Dann ging es nicht mehr und mein Hausarzt schickte mich gleich wieder zum Psychologen. HWS Syndrom und Depression mit dem “g” für gesichert war seine Diagnose 🙁

Die Depression Part2

Der gefühlte zweite Teil meiner Depression, eigentlich hatte ich sie ja nie überwunden, mir ging es nur ein paar Wochen etwas besser, fühlte sich schlimmer an als zuvor. Einzig unser neues Familienmitglied Evin hat es geschafft mich von der Couch herunter zu kommen. Jemand der noch nie damit zu tun hatte wird es nicht glauben. Ich vergas sogar zu essen, da Evin in der Zeit zum Gourmet wurde, hat er mich dazu angehalten zu essen. Reis mit Huhn, Nudeln, Steak… für ihn ohne , für mich mit Soße und Kartoffeln in vielen Varianten wurden zu unserer Leibspeise und wehe es stand nicht pünktlich das Essen unterm Tisch.
Mitte des Jahres endete dann auch noch die Beziehung zu meiner allerbesten Freundin. Seit Januar gab es schon eine relative Funkstille die dann mit merkwürdigen Vorwürfen endgültig endete.
So lebten wir vor uns hin, Alexandra arbeitete immer mehr, aber wusste sich und mir langsam auch nicht mehr zu helfen. Zum Glück gab es im Dezember ein paar schöne Tage, ich war zwischenzeitlich mit neuen Tabletten eingestellt und ich das Gefühl ich könnte Bäume ausreißen.
Ich verabredete einen Termin mit meinem Arbeitgeber, dort mit Verspätung und bei schlechtem Wetter angekommen, ging es mir sichtlich schlecht. Sie machten mir ein super Angebot. Meinten aber auch ich soll erst wiederkommen wenn ich Fit bin. Jetzt wäre ich das wohl noch nicht.

Die Handy Pin

Ich hatte eingesehen das es noch zu früh war, mir ging es zwar etwas besser aber es fehlten nur Millimeter um wieder ins Depri Loch zu fallen. Die Millimeter verursachte dann mein Handy. Es musste über Nacht neu starten und am nächsten morgen musste ich die Bildschirm Pin eingeben. Nachdem ich das ein paar mal versucht hatte, die Pausenzeiten zwischen den Versuchen war schon bei Stunden angekommen, wurde ich unruhig. Nachdem dann die Freischaltung über die Hersteller Webseite nicht funktionierte bekam ich Panik. Alexandra musste mir das Handy am Schluss wegnehmen, so habe ich mich hineingesteigert. Vor zittern konnte ich nichts sinnvolles mehr eingeben. Später beim Essen wurde mir bewusst das diese Kleinigkeit mich wieder voll zum Absturz gebracht hat und ich heulte den Rest des Tages.

Jetzt sind wir im Januar 2019 angekommen, das Handy konnte ich retten aber mir ging es wieder schlechter. Mit einem kleinen Sprung in den April geht es dann im Part2 weiter.

 

 

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